Bereits im letzten Jahr herrschte hier im Ort große Aufregung. Ein einzelner Storch zog mehrere Tage Kreise über der Stadt und landete auf diversen Schornsteinen, die wir dank alter Töpfereien gleich zu mehreren haben.
Schnell kam die Feuerwehr und baute eine Nisthilfe auf den höchsten, ungenutzten Schlot.
Nur wenige Tage später war der Storch wieder verschwunden, die Nisthilfe blieb.
In diesem Jahr ging plötzlich ein Raunen durch den Ort: Der Storch ist wieder da!
Und tatsächlich begann er, erste Zweige zur Nisthilfe zu tragen.
Wenige Tage später ging das Raunen in Begeisterung über: Ein zweiter Storch wurde gesichtet. Und tatsächlich, die beiden scheinen sich zu mögen, klappern um die Wette und teilen sich das entstehende Nest.
In der Zeitung gab es inzwischen schon mehrere Artikel. In einem hieß es, einer der Störche wäre beringt, aber ablesen konnte man selbigen noch nicht. Und es seien Jungstörche, die noch nicht geschlechtsreif wären.
Bisher scheint ja auch das Nest noch nicht so weit zu sein, dass da Storchenkinder drin geborgen wachsen könnten. Warten wir einfach mal ab. Da das Nest nur wenige Meter Luftlinie von unserem Grundstück entfernt ist, hören wir sie oft klappern. Um sie zu sehen müssen wir uns allerdings etwas anstrengen und den Hals recken oder ein paar Meter laufen.
Andere Störche mussten gehen, nämlich die, die uns unsere Freunde zur Hochzeit mit extrafester Straßen-Markier-Farbe vors Haus gemalt hatten. Fast zehn Jahre haben die Störche gehalten und uns "unterhalten".
Einige Episode ist mir besonders in Erinnerung: Als ich mit Sohnemann schwanger war, klingelte es an einem Samstag plötzlich an der Tür. Draußen stand eine mir unbekannte Familie mit Kindern. Der Familienvater erklärte: "Unsere Kinder haben die Störche gesehen, unser Familienname ist Storch. Da wir Zeugen Jehovas sind, sind unsere Kinder es gewöhnt, zu klingeln und haben es einfach getan." Wir lachten darüber, unterhielten uns kurz. Ich erklärte, das in meinem Bauch Baby zwei wächst, wir aber nich vor hätten, für jeden gemalten Storch ein Baby zu bekommen (es waren 10 Stück). Dann gingen sie wieder.
Wir liegen in der Mitte von drei Töpfereien, so kommen hier oft auch Fremde durch die Straße. Oft habe ich gehört, wie sich Menschen über die gemalten Störche gefreut haben, wie sie spekuliert haben, dass hier wohl Frischvermählte wohnen und oft gab es kurze Gespräche mit Fremden vor dem Haus wegen der Störche.
Tja, das ist nun vorbei.
Vor einigen Tagen wurden sie im Zuge der anstehenden Straßensanierung (samt neuer Frischwasserleitung, Stromleitung und Kanalisation) abgetragen und weg gebracht, was Sohnemann vom Fenster aus interessiert beobachtete.
Klappernde Grüße von TAC
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