Vor vier Jahren um diese Zeit waren wir im Geburtshaus und hielten staunend ein kleines Bündel im Arm. 8.49 Uhr ist Sohnemann aus mir heraus gepurzelt.
Obwohl ich heute noch genug zu tun habe, nehme ich mir ein paar Minuten Zeit, um zu überlegen, wo die letzten vier Jahre geblieben sind? Es war doch erst gestern, dass der Schwangerschaftstest positiv war?
Die Schwangerschaft an sich brachte sämtliche Beschwerden mit, die es so gibt, von Übelkeit rund um die Uhr über Dauersodbrennen bis hin zu Ischias auf beiden Seiten war alles dabei.
Töchterchens Geburt vor siebeneinhalb Jahren im Krankenhaus war nicht so berauschend, also stand für mich fest, dass ich diesmal ins Geburtshaus gehen würde. Unsere Wahl fiel auf Chemnitz, da es nur 20 Minuten Fahrzeit sind.
Zu Beginn der Schwangerschaft betreute mich mein Gyn. Aber nachdem ich da schon in der 20. Woche erstmals am CTG hing (mit dem ich keine guten Erfahrungen in der ersten Schwangerschaft gemacht hatte), wechselte ich zu Hebammenbetreuung. Das war ganz anders: Keine langen Wartezimmerzeiten, viel Wert auf Wohlfühlen (bequemer Stuhl, Beine hoch legen, Tässchen Tee), Plauderei über mein Befinden mit wertvollen Tipps (beim Gyn war dafür gar keine Zeit), nebenher Abtasten und Ausmessen von Bauch und Baby samt Erklärungen und CTG erst am errechneten Geburtstermin (6.5.).
Da die Kassen zu weite Fahrzeiten zur Nachbetreuung nicht zahlen, hatte ich "meine" Hebamme im Vorbereitungskurs und zur Nachsorge. Hebammenbetreuung war im Geburtshaus, rotierend durch die dortigen drei Hebammen, die ich so auch gleich kennen lernte.
Am Abend des 6.5. besuchte ich noch die letzte Veranstaltung meines Vorbereitungskurses, wir aßen Pizza und plauderten. Und nebenher war ich mit Atmen beschäftigt, was meine Nachsorgehebamme nebenher beobachtete, wie sie später erzählte. Wieder zu Hause wollte ich nur noch ins Bett, aber da fand ich keinen Schlaf, denn aller zehn Minuten war da was seltsam. Herr TAC arbeitete damals noch in Dresden, also 100 km entfernt, eine Stunde Fahrzeit. Wir hatten telefoniert und er entschied sich, in der Nacht noch heim zu kommen. Dann schlief er neben mir, während ich die Uhr beobachtete. Gegen drei standen wir auf, riefen die Hebamme an und verabredeten uns für vier Uhr im Geburtshaus. Ich schmierte Schnitten und packte die letzten Sachen in die Taschen bis die Oma da war.
Die Fahrt war okay, im Geburtshaus wurden wir bereits erwartet. Kerzen brannten, alles war gemütlich. Während Herr TAC im Korbsessel schlief, wanderte ich im Zimmer umher, wippte auf dem Ball, sah aus dem Fenster, hörte den erwachenden Vögeln zu und war erstaunlich gelassen. Die Hebamme sah regelmäßig nach uns, gab mir Tipps zum Atmen und ließ mich ansonsten machen. Irgendwann nahm ich ein Bad.
Inzwischen war die zweite Hebamme da und wir hatten noch eine Azubi-Hebamme im dritten Lehrjahr dabei. Mit der Hilfe und Zusprache von zwei Hebammen brachte ich schließlich Sohnemann auf die Welt, ein sehr bewegender Augenblick. Wir wussten vor der Geburt nicht, ob ich Junge oder Mädchen trage. Bei Töchterchen hatte es damals das Gefühl gegeben "es ist ein Mädchen", bei Sohnemann haben wir einen Jungen vermutet. Ein Gefühl hatte ich bei ihm nicht.
Fünf Stunden nach der Geburt waren wir zu Hause. Etwa zwei Stunden später besuchte mich meine Nachsorgehebamme, sie hatte schon telefonisch alles Wichtige von den Geburtshaushebammen erfahren. An dem Nachmittag kamen auch die Großeltern zu Besuch und die große Schwester bewunderte ihr Brüderchen. Es war ein sehr schöner Tag.
Ich würde jederzeit wieder ins Geburtshaus gehen und schon in der Schwangerschaft Hebammenbetreuung in Anspruch nehmen. Umso schlimmer finde ich, dass immer mehr freiberufliche Hebammen aufhören müssen. Eine Geburt nur mit Arzt und im Krankenhaus will ich niemals erleben, denn es waren für mich die Hebammen, sie sich Zeit nahmen, die unendlich viel Geduld hatten und mir das Gefühl von Geborgenheit und "Alles ist gut!" vermittelten.