Freitag, 17. März 2017

Abschied von Felix

Im April 2001 erblickte ein kleines nasses, schwarz-weißes "Etwas" das Licht der Welt, oder besser: purzelte in die Welt, denn die Augen waren noch geschlossen. Zwei weitere Geschwister gab es in dem Wurf, beide wurden unmittelbar nach der Geburt krank, eines der Babys verstarb, noch bevor die Augen ganz offen waren. Also erlebte unser kleiner Felix zusammen mit Paula seine ersten Wochen mit Mama Cassy bei meinen Eltern.
Kleiner Kater mit Segelohren

Vom ersten Tag an beschäftigte ich mich viel mit ihm, streichelte ihn und spielte mit ihm und als er etwa 6 Wochen alt war, nahm ich ihn für kurze Ausflüge mit, um ihn ans Autofahren zu gewöhnen. Das ging bald problemlos. Schon mit 8 Wochen zog er hier in seinem neuen Zuhause ein.

Hier im Haus lebte damals noch mein Opa in der unteren Etage (ich in der oberen) und er kümmerte sich rührend um den neuen Hausbewohner, hatte er in ihm doch eine neue Lebensaufgabe gefunden.
Im Haus bekamen zwei Türen Katzenklappen, so dass sich Felix frei bewegen konnte.
Bald begannen wir, Felix an ein Katzengeschirr und die Leine zu gewöhnen. Er mochte sie nicht besonders, aber er sah die Vorteile, denn so durfte er raus und die Umgebung erkunden.
Im seinem ersten Jahr reiste Felix mit mir und dem Herrn TAC viel umher. Wir verbrachten sogar mal eine Woche im Studentenwohnheim in Dresden, wo er schnell die Herzen aller Bewohner der Wohneinheit eroberte.
Als 1jähriger auf dem Küchentisch
Als er etwa ein Jahr alt war, hatte er eine kleine OP beim Tierarzt. Als das alles gut verheilt war, durfte er ohne Leine raus. Dazu bekam er eine weitere Katzenklappe in die Tür nach draußen, die zunächst mein Opa eifrig bediente: Morgens auf und abends zu, denn Felix sollte nur tagsüber Freigang haben. Manchmal ignorierte er dieses Auflage von uns und kam erst spät in der Nacht oder am Morgen nach Hause, aber da er auch ein recht verfressener Kater war, gewöhnte er sich bald an die abendliche Futterzeit, zu der dann auch die Klappe geschlossen wurde.
Als er etwa ein Jahr und vier Monate alt war, bekam er eine Gefärdin, seine Schwester Ebony. Auch sie war mit 6 Wochen das erste Mal hier im Haus und die beiden mochten sich nicht. Wir wiederholten die kurzen Besuche und hofften auf Gewöhnung, aber Liebe kam (vorerst) trotzdem nicht auf. Als Ebony dann auf Dauer hier einzog, konnten wir sie nur übers Futter aneinander gewöhnen.
Eigene Näpfe...
Zunächst standen die Fressnäpfe mit Abstand zueinander, dann rückte ich sie immer weiter zusammen.
Die beiden hatten bis zum Schluss eher eine Zweckgemeinschaft. Allerdings hatten sie sich wohl so aneinander gewöhnt, dass sie sich suchten, wenn einer nicht da war. Bewusst wurde uns das, als Ebony im Alter von etwa 2 Jahren mal für zwei Tage unauffindbar war (bei Nachbarn eingesperrt). Felix war die ganze Zeit unruhig und wurde erst wieder er selbst, als Ebony wieder da war.
2005 starb mein Opa und der Herr TAC zog auf Dauer hier ein. Damals hatten die Katzen den Küchentisch zum Schlafplatz erkoren und wir aßen im Wohnzimmer.
Felix wusste genau, dass er beim Herrn TAC mehr Chancen hatte, sich Leckerbissen zu erbetteln, als bei mir. So aß Herr TAC meist von zwei Katzen flankiert.
Inzwischen war Felix zu einem stolzen 5kg-Kater heran gewachsen und strotzte vor Kraft. Aus einem Katerkampf hatte er einen Riss im Ohr davon getragen.
2006 kam Töchterchen auf die Welt. Das schreiende Etwas war für die Katzen uninteressant. Die Katzen lebten ihr Leben weiter in enger Gemeinschaft mit uns und später ließen sie sogar Töchterchen ab und zu an sich ran. 2010 kam Sohnemann dazu und auch dieses Ereignis ignorierten die Katzen zunächst. Einzig Ebony fand, dass der leere Kinderwagen im Treppenhaus ein wunderbarer Schlafplatz sei.
Je älter die Kinder wurden, umso mehr ließen sich auch die Katzen auf die Kinder ein. Besonders in den letzten Monaten kam es immer wieder vor, dass sie auf den Kinderbetten schliefen, selbst wenn die Kinder ebenfalls drinnen lagen. Töchterchen versuchte, Felix Kunststücke beizubringen und lockte ihn mit Hilfe von Leckerlis dahin, wo sie selbst grade war.
Felix suchte zunehmend unsere Nähe. Setze sich Herr TAC an seinen Rechner, kam Felix mauzend an und verlangte nach Streicheleinheiten. Waren wir draußen im Garten, machte er es sich auf der schwarzen Hollywoodschaukel bequem oder legte sich neben mich auf die große, wenn ich häkelte oder strickte. Auch im Wohnzimmer beanspruchten beide Katzen zunehmend einen Platz auf dem Sofa, zuletzt sogar, wenn schon alle zweibeinigen Hausbewohner drauf saßen.
In den letzten Monaten wurde Felix dünner und leichter. Aber das ist bei alten Katzen durchaus normal und da er sich ansonsten wie immer verhielt, machten wir uns keine Gedanken darum.
An Herr TAC´s Geburtstag im Februar war noch alles gut
Vor zwei Wochen entdeckten wir, das sich seine rechte Pupille nicht mehr dem Licht anpasste. Herr TAC und Töchterchen brachten ihn zur Tierärztin. Diagnose: Eine Niere komplett kaputt, die zweite in Mitleidenschaft, deshalb Bluthochdruck. Und eben das Alter. Sie verordnete Medikamente, die Felix 3 Tage gut nahm, dann wurde seine Bereitschaft, etwas zu fressen generell geringer. Herr TAC wurde immer einfallsreicher, um die Medikamente in den Kater zu bekommen. Felix nahm zwar weiter am Familienleben teil, zog sich aber zunehmend zurück. Am Dienstag war ich erneut bei der Tierärztin mit ihm. Sie bestätigte, was wir bereits wussten und wollte ihn sofort erlösen. Da wir aber noch Abschied nehmen wollten, bekam er noch eine Spritze und fuhr mit nach Hause. Von unserem 5kg-Kater waren nur noch etwa 2,5kg übrig. Er konnte nur noch mit Mühe laufen, benutze aber das Katzenklo tapfer bis zum Schluss. Zuletzt nahm er nur noch einige Schlucke Wasser zu sich, aber die bitteschön aus dem kleinen gelben Kaufmannsladentellerchen in der Dusche, in die er selbst gestiegen ist.
Letztes Foto vom Mittwoch

Tränenreiche Tage liegen hinter uns. Tage, in denen vor allem Töchterchen mit Gott und unserem Glauben an die Ewigkeit gehadert hat. Wir haben die Kinder auf Felix´ Tod vorbereitet und ihnen frei gestellt, mit zu kommen. Gestern nachmittag hat der Herr TAC den Felix noch einmal durch den Garten getragen und ihn einige Zeit auf die schwarze Schaukel gelegt, ehe wir alle zusammen in die Tierarztpraxis gefahren sind.
Felix hat diese Welt im Beisein der ganzen Familie unter Streicheln und ruhigen Worten ganz friedlich gestern abend gegen 18 Uhr verlassen. Sein Grab befindet sich gleich hinter der schwarzen Schaukel.

Wir werden dich immer im Herzen behalten, Felix.
(Hier gab es schonmal einen Eintrag über Felix)

1 Kommentar:

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