In der letzten Woche war der MDR in unserem Schloss zu Gast.
Zwei Wochen vorher war in einer regionalen Zeitung ein Aufruf zum Statistencasting, dem 300 Menschen aus der Region gefolgt sind. So auch einige Leute aus dem Theaterverein, darunter Töchterchen und ich, mein Cousin und mein Onkel. Mein Cousin hat als Einziger einen Anruf bekommen, um dabei zu sein. Insgesamt brauchten sie nur etwa 60 Leute, darunter 40 Männer.
Entstehen sollten drei Filme für die Reihe "Geschichte Mitteldeutschlands".
In der Drehwoche bin ich jeden Tag am Schloss vorbei gefahren und hab geschaut, was sich da tut:
Es waren ein paar Autos da, aber viel weniger, als bei der Hollywoodproduktion.
Es waren Menschen da, aber auch viel weniger, als bei der Hollywoodproduktion.
Einmal war auf dem großen Balkon über dem Eingang eine riesige weiße Stoffplane zu sehen und Menschen mit Technik drumrum.
Das wars.
Und dann gab es da noch einen Zeitungsbericht, der davon erzählte, dass am Samstag die Aufräumarbeiten nach Drehschluss mit der Taschenlampe stattfinden mussten. Stell ich mir witzig vor...
Einen mini-Vergleich hatte ich ja, aber mal der Reihe nach.
Am Samstag etwas nach 20 Uhr waren Sohnemann, der Papa und ich oben im Wohnzimmer und Töchterchen war nach unten gegangen, um ihr Zimmer aufzuräumen. Plötzlich war alles dunkel. Und still. Sohnemann stand still, irgendwo im Wohnzimmer, kein Radio dudelte mehr vor sich hin.
Ich griff als erstes zu meiner Mini-Taschenlampe, die glücklicherweise so hoch hängt, dass die Kinder sie nicht erreichen. Sonst wäre sie vermutlich nie an ihrem Platz, ebenso wie die gefühlten 20 anderen Taschenlampen, die wir zwar besitzen, aber die man nie findet, wenn man sie braucht.
Der Papa suchte sofort nach Kerzen, aber ich schickte ihn erstmal zu Töchterchen. Das war sehr richtig, denn sie war vollkommen aufgelöst, dachte sie doch, sie hätte mit Betätigung des Lichtschalters die Finsternis ausgelöst.
Als alle heil im Wohnzimmer angekommen waren, trat irgendwer auf ein Spielzeug. Also beschlossen wir, erstmal den Wohnzimmerfußboden begehbar zu machen. Papa stattete den Raum mit einigen Kerzen aus und eine inzwischen gefundene Taschenlampe wurde an die Lampe gehängt. Das Aufräumen wurde so zu einer witzigen Familienaktion.
Inzwischen hatten wir heraus gefunden, dass auch sämtliche Häuser um uns herum, das nachts angestrahlte Schloss, die Kirche und alle Straßenlampen aus waren. Nur in der Oberstadt war noch Licht. Beruhigt, dass es nicht unsere Hauptsicherung war, kuschelten wir uns mit den Kindern aufs Sofa und lasen ihnen im Taschenlampenlicht einige Kinderbücher vor.
Bei zweistelligen Minusgraden draußen wurde es schon merklich kälter im Haus, denn ohne Strom funktioniert unsere Heizung nicht.
Gegen 21 Uhr waren die Kinder im Bett und ich stellte erstmal fest, dass ich auch mit Tablet bei Stromausfall nicht ins Internet kann, da ja der Router keinen Strom hat. Mein Mann dagegen stand mit Hilfe des I-Phones in Schriftwechsel mit seiner Schwester, die ebenfalls keinen Strom hatte. Und telefonisch hatten wir auch heraus gefunden, dass die Schwiegereltern im Dunkel saßen, wobei wir das eigentlich schon vorher wussten.
Gegen 21.30 ging das Licht wieder an und mein Mann machte einen Rundgang durchs Haus: diverse Lichter ausschalten, Radiowecker einstellen, nach den Kindern schauen, die beide seelig schliefen.
Als der Strom wieder da war, lasen wir im Videotext vom Earth Day, der an sämtlichen öffentlichen Gebäuden für eine Stunde das Licht ausschaltet. Unser erster Gedanke war "Da hat wohl jemand den falschen Schalter erwischt", weil unsere Dunkelzeit in etwa mit der geplanten Dunkelzeit übereinstimmte.
Am Montag meinte die Zeitung allerdings einfach nur "Störung im Umspannwerk".
Wie auch immer, in neun Monaten wird sich zeigen, ob es nicht vielleicht doch ein Versuch war, mehr Babys in der Gegend zu bekommen ;)
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