Dienstag, 4. Oktober 2016

12+1

Einige wissen sicher sofort, was ich meine. Alle anderen werden es sicher gleich merken.
Wir haben zwei Kinder, Töchterchen wird bald 10 und Sohnemann ist 6,5 Jahre. Mädchen und Junge. Alles perfekt, finden die meisten. Was will man(n) mehr? Und genau: Der Herr TAC wollte nie mehr. Zwei Hände - zwei Kinder. Passt. Zwei Sitze passen auch wunderbar auf den Rücksitz des Autos... Alles gut soweit.
Im Gegensatz zu ihm war ich nach zwei Kindern nicht fertig mit Schwangerschaft und Geburt und Stillen und so. Ich wollte die ganzen Jahre so gerne noch ein weiteres Kind. Gehören aber zwei dazu. Und da nur eine wollte, blieb es bei zweien.
Dann kam dieser Sommer. So ganz langsam schlichen sich bei mir Gedanken ein wie "zwei reichen", "ist ja auch ganz schön so, wie es ist" und "wir sind wieder frei, können auch mal alleine weg gehen". Es fiel mir zunehmend leichter, Babysachen weg zu geben, weiter zu geben an frisch gebackene Eltern.
Ende gut, alles gut, könnte man meinen.

Und dann blieb meine Regel aus. Kann ja mal passieren, ein oder zwei Tage hin und her sind durchaus normal, dachte ich. Und machte mir keine Gedanken... vorerst. Eine Woche später noch immer nix. Es kamen neue Gedanken... "Was, wenn doch?", "Nochmal alles von vorn?", "Will ich das?"
Zu viele Gedanken erlaubte ich mir aber nicht. Außerdem kann es ja auch sein, dass die Regel mal ganz ausbleibt und im nächsten Zyklus wieder kommt.
Dann kam das Wochenende, an dem der Herr TAC nach Brünn zum Motorradrennen fuhr und ich mit den Kindern alleine zu Hause blieb. Donnerstags fuhr er, da ging es mir noch gut. Und am Freitag ging es mir richtig schlecht. Von jetzt auf gleich, dazu der Hochsommer, der mit voller Kraft los legte und meinen Kreislauf durcheinander brachte... Das war das Wochenende, an dem ich den Gedanken zuließ, an ein drittes Kind und wie es sein würde, ob wir das schaffen würden... Ich rang mit mir selbst und versuchte nebenher, mir vor den Kindern und anderen nichts anmerken zu lassen. (Im Nachhinein erfuhr ich, dass meine Cousine mich an der Bühne durchschaut hatte und es da bereits wusste.)
Am Montag morgen war ich einkaufen. Neben den Lebensmitteln kaufte ich auch einen Test und Folsäure.
Am Nachmittag kam der Herr TAC aus Brünn zurück. Wir saßen im Garten auf der Schaukel, tranken Kaffee und ich erzählte ihm, dass ich einen Test gekauft habe. "Oh nein" war seine Reaktion. Sonst sprachen wir nicht mehr viel darüber. Ich kenne meinen Mann und weiß, dass er erst mit sich selbst ringen muss. So ließ ich ihm Zeit, was mir sehr schwer fiel. Es war keine einfache Woche, für uns beide nicht.
Erst am Freitag hatte ich genug Mut für den Test, er war genau so schnell positiv, wie bei den beiden Großen damals. Kein Zweifel mehr: Ich bin schwanger.
Am Montag danach rief ich in der FA-Praxis an und bekam direkt einen Termin, eine Stunde später. Herr TAC kam mit. Wir sahen ein kräftig schlagendes Herz, Herr TAC mit versteinerter Miene, ich mit sehr gemischten Gefühlen: Zum Glück nur eins!
Die nächsten Wochen waren anstrengend. Ich fühlte mich alleine und kämpfte mit Ganztagsübelkeit, Atemnot und Kreislaufproblemen, vor allem an den ganz heißen Tagen. Dabei liebe ich die Wärme. Nebenher musste der Alltag weiter gehen, keiner sollte was merken und im Haus wuchsen die Baulöcher für die Abwasserleitungen. Herr TAC arbeitete nach der Arbeit fleißig zu Hause weiter und ich konnte ihm nicht helfen. Drei Freundinnen hatte ich eingeweiht und alle drei halfen mir mit persönlichen Gesprächen oder What´sApp durch diese Zeit.
Dann kam der Montag, als ich mit Sohnemann wegen Verdacht auf Scharlach zum Arzt musste. Da hab ich natürlich gesagt, dass ich schwanger bin und somit wusste es Sohnemann. Ganz beiläufig meinte er beim Mittagessen an dem Tag: "Mama, ich hab beim Arzt gehört, dass du ein Baby im Bauch hast?" Daraufhin haben wir es ganz schnell Töchterchen gesagt und ab dem Zeitpunkt machte es die Runde.
Heute mittag waren wir alle vier bei der Frauenärztin. 12+1. Unser Baby ist nun rund 5 cm groß und sein Herzchen schlägt kräftig. Wir konnten ganz deutlich die Wirbelsäule sehen, es hat Hände mit Fingerchen und Beine mit Kniegelenken und Füßen. Kurz hat es uns das Gesichtsprofil gezeigt, man konnte eine kleine Nase erkennen. Es hielt die Hände vors Gesicht und Töchterchen war der Meinung, es lutscht am Daumen. Ein wunderbarer Moment.
Ich hab mich inzwischen an den Gedanken gewöhnt, nochmal ein Baby zu haben. Manchmal kommen noch Gedanken an das, was wir dann erstmal nicht mehr können und wie ein Hausumbau mit Baby zu stemmen ist. Aber das ist okay, denk ich.
Der Herr TAC hat sich ebenfalls daran gewöhnt. Er macht sich jetzt die typisch männlichen Gedanken: "Passen drei Sitze auf die Rückbank des Autos?", "Wohin stellen wir den Wickeltisch?", "Wir brauchen ein drittes Kinderzimmer - adé Modelleisenbahnzimmer!"
Die Kinder freuen sich riesig. Sohnemann will ein Brüderchen haben, Töchterchen lieber eine Schwester. "Aber ein Bruder wäre auch okay."
Und das Umfeld? Unsere Familien haben positiv reagiert. "Kann ja mal passieren."
Die meisten Freunde und Bekannten freuen sich für uns. Und einige sind sofort hilfsbereit: "Kann ich was für dich tun?", "Soll ich dir mal die großen Kinder abnehmen, dass du dich hinlegen kannst?" "Hast du noch die Grundausstattung?"
Die Babyschale hatten wir damals bei Bekannten ausgeliehen. Diesmal bekommen wir die von einer Freundin. Sohnemann hatte unser Gitterbett "geschafft", Teile davon dienten im letzten Jahr als Rankhilfe im Garten. Auch da bekommen wir eines von einer Bekannten. "Gitterbett? Ich hab zwei. Da kannst du eins bekommen, wir brauchen es nicht mehr."

Hach, es ist so schön, genau hier zu leben. Mit genau diesen Freunden, Bekannten und unseren Familien. Vielen Dank, dass es euch gibt. (Auch wenn ihr nie kommentiert, von einigen weiß ich ja, dass ihr mitlest ;)

Ganz private Grüße von TAC

2 Kommentare:

  1. Herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft!
    Bei uns war es mit Nummer zwei ähnlich im letzten Jahr...ich wollte immer Nummer zwei, aber es wollte einfach nicht klappen. Für den Gatten hingegen war es schon immer okay nur ein Kind zu haben. Anfang letzten Jahres habe ich dann begonnen, die gesammelten Babysachen zu verkaufen und nach einem Kurzurlaub mit Freundinnen auf Mallorca wusste ich, dass ich kein zweites mehr wollte. Denn die Große war schon 6, wir hatten als Eltern unseren Freiraum, es war kein Problem einen "Baby"sitter zu finden, und und und. Tja, und knapp sieben Wochen später hielt ich einen positiven Test in Händen. Bei mir erstmal Chaos im Kopf, beim Gatten Schnappatmung. Doch ich gebe zu, er hatte sich schneller wieder gefangen. Und heute? Möchte ich es nicht mehr anders haben. Der Altersunterschied erweist sich als perfekt (für uns) und der Zeitpunkt (auch jobmässig) hätte nicht besser sein können.
    Ich bin sicher, es sollte so sein.
    Auf jeden Fall freue ich mich für Dich und ich wünsche Dir eine ganz tolle Schwangerschaft!
    Liebe Grüße
    Cora

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  2. Dankeschön.
    Ich weiß, dass es vielen so geht. Und ich weiß auch, dass wir es schaffen werden, und das es gut sein wird. Aber es ist trotzdem nicht so leicht, sich drauf einzustellen.

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