Montag, 22. Mai 2023

Wochenende in Bildern KW 20/ 2023 - getrennte Wege und auf Luthers Spuren

Das Himmelfahrtswochenende liegt hinter uns, wir waren mal nicht als Familie unterwegs, sondern quasi in 3 Richtungen verstreut. Die Fotos schick ich zu Alu und Konsti von "Große Köpfe".

(Da ich drauf hinweisen muss: Der Blogeintrag enthält Werbung für Wittenberg. Wir haben alles selbst bezahlt und wurden nicht beauftragt.)


Donnerstag - Himmelfahrt:
Der Tag beginnt mit großer Hektik. Um 9 müssen die beiden Großen am Treffpunkt für das Pfadi-Himmelfahrtslager sein. Natürlich muss hier und da noch was gepackt werden, und dies und jenes noch erledigt... 
Gegen halb 10 sind die beiden abgeliefert und wir nur noch zu dritt unterwegs. Zunächst laufen wir zur Freilichtbühne, wo wir Gottesdienst unter freiem Himmel feiern. 
Danach essen wir beim Theatercatering, dass heute ebenfalls an der Bühne ist. Sie kennen die Gegebenheiten vor Ort, da bietet sich das einfach an. Die Jüngste tollt mit einem gleichaltrigen Mädchen herum. Die beiden können sich am Nachmittag nochmal sehen. 
Weiter gehts. Wir laufen durch den Park und das Biotop zu meinen Eltern. 
Natürlich werden die Häschen gestreichelt und gefüttert. Sie sind aus den Nestern raus und wir bewundern die Vielfalt bei den Fellfarben. 
Die Jüngste bekommt Besuch von der neuen Freundin. Wir Erwachsenen sitzen im Garten und beobachten die Kinder, die mal mit Kreide malen, mal Blumen pflücken und die ganze Zeit in Bewegung sind. 
Die Große schickt ein Bild, das Lager ist aufgebaut. 
Die Freundin der Jüngsten wird abgeholt. 
Wir grillen, dann fährt uns meine Mutter nach Hause. 


Freitag:
Der Herr TAC muss arbeiten, so bin ich am Vormittag mit der Jüngsten alleine zu Hause. Wir sortieren ihren Kleiderschrank durch. Es wird nun auch bei ihr langsam Zeit für einen neuen Kleiderschrank. Da ihre Sachen größer werden, leidet die Übersichtlichkeit... 
Wir packen, die Jüngste für 2 Tage bei der Oma und ich für 2 Tage Wittenberg. 
Am Nachmittag wird die Jüngste von der Oma abgeholt. Wenig später kommt auch der Lieblingsehemann nach Hause und packt seine Sachen in die Tasche. Los gehts. Wir fahren keine 2 Stunden bis Wittenberg und sind vor 6 da. 
Unser gebuchtes Hotel liegt direkt in der Altstadt. Direkt daneben ist einer der Cranach-Höfe. Treten wir vor das Hotel, sind wir direkt auf der Hauptstraße. Wir laufen erstmal Richtung Marktplatz, wo Luther als Denkmal steht. 
Da wir Hunger haben, landen wir in einer Pizzeria. Soooo lecker.... 
Frisch gestärkt laufen wir weiter durch die Altstadt. Überall sind Schilder angebracht, die Hinweise zu berühmten Personen geben: Manche wurden hier geboren oder lebten und arbeiteten hier, manche waren nur mal so zu Besuch da und bei manchen vermutet mal wohl nur, dass sie hier waren. 
Das Melanchtonhaus find ich von außen recht unscheinbar. 
Interessanter ist der Durchgang zum Lutherhaus. Der gehört zum Augusteum, einem Teil der Universität und wurde erst nach Luthers Tod gebaut. 
Das ist das eigentliche Lutherhaus, das ursprünglich als Kloster gebaut wurde, um Mönche als Lehrpersonal für die neu gegründete Universität nach Wittenberg zu holen. Es war noch nicht fertig gebaut, als Luther einzog. Erst nach der Hochzeit mit Katharina wurde es so nach und nach weiter/fertig ausgebaut. 
Das Lutherhaus ist jetzt gelb, wurde aber als "schwarzes Kloster" bezeichnet. Warum hab ich nirgends gelesen. 
Von einem Ende der Altstadt laufen wir zum anderen Ende. Dort befindet sich der Schlosskomplex. Das eigentliche Residenzschloss ist durch Kriege zerstört worden und nur zu einem kleinen Teil wieder aufgebaut. Ich persönlich finde es nicht schön. 
Mehr Augenmerk wurde auf das Wiedererrichten der Schlosskirche gelegt. 
Das ist die Tür, an die Luther vielleicht seine Thesen angeschlagen hatte. Das war damals gängige Praxis: Wollte man über etwas diskutieren, wurde das an verschiedenen Stellen öffentlich gemacht. 
Zurück zum Hotel. 
Wir haben das "Entdecker-Paket" gebucht, da war neben einem kleinen Stadtführer auch eine Flasche Sekt dabei. So gibts am Abend ein Gläschen Sekt. 


Samstag:
Ich hab so gut geschlafen wie schon lange nicht mehr. 
Wir beginnen den Tag mit einem ausgedehnten Frühstück. Das Hotel hat ein sehr umfassendes Frühstücksbuffet. 
Wir haben beschlossen, zuerst ins 360°-Panorama zu gehen. Das war eine gute Entscheidung. Man bekommt Einblick in die Zeit, in der Luther gelebt hat. Es zeigt viele verschiedene Szenen, die nicht alle zeitgleich stattfanden, aber trotzdem miteinander zu tun haben. 
Wir bekommen hier sozusagen erste Puzzleteile, um das Puzzle "Reformation" zusammen zu setzen. 
Als nächstes gehen wir ins Lutherhaus. Ich hatte es mir anders vorgestellt. Mir fehlt an vielen Stellen der Hinweis, wie die Familie Luther die Räume genutzt hat. Vermutlich weiß man vieles auch gar nicht. Insgesamt läuft man sozusagen durch Luthers Biografie. 
Die "Lutherstube" ist der Raum, in dem Luther mit seinen Weggefährten und Studenten diskutiert hat. Das ist verbürgt und man hat recht früh erkannt, dass man den Raum nicht stark verändern sollte. Holztäfelungen, Sitznische und Tisch sind original, die Bemalungen dagegen kamen später dazu. 
Da der Raum schon früh zum "Museum" wurde, haben sich viele Besucher verewigt. Die meisten Spuren wurden beseitigt, nur das vom Zaren an der Tür kam unter Glas. 
Als Luther in das Kloster kam, hatte er ein Studierzimmer in einem kleinen angebauten Haus. Das war vermutlich der Durchgang dahin. 
Zurück auf der Straße setzen wir uns in die Sonne. Ich esse eine Waffel mit Erdbeeren. 
Wir besuchen die Stadtkirche. Hier hat Luther rund 2000mal gepredigt. "Seine" Kanzel war echt klein und kann im Lutherhaus angeschaut werden. 
Interessant finde ich den Taufstein, der seit über 500 Jahren genutzt wird. Die Kinder von Luther und seiner Frau wurden hier getauft. Es war gerade eine Führung, der Herr erklärte, dass er selbst und auch seine Kinder ebenfalls an diesem Taufstein getauft wurden.
Noch ein Blick zur Orgel. 
Inzwischen ist Nachmittag. Da wir viel gestanden haben, wollen wir gerne noch etwas im Sitzen tun. Es gibt Stadtrundfahrten mit einer kleinen Bahn. Der Startpunkt ist an der Schlosskirche. Während wir in der Bahn sitzen und warten, lese ich die Schilder. Plötzlich erklingt "Ein feste Burg ist unser Gott..." in einer anderen Sprache. Ein Chor (vermutlich) aus Asien singt es in der eigenen Sprache. Viele Menschen bleiben stehen und hören zu. Es ist echt bewegend, da vermutlich jeder die Melodie kennt und zumindest ein paar Worte im Kopf mitsingen kann. 
Die Rundfahrt beginnt. Wir hören Wissenswertes über die Altstadt und fahren durch ein Viertel, dass um 1900 rum mit der Industrialisierung entstand bis hin zu Neubau-Vierteln der 50er bis 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. 
Die Hundertwasserschule:
Nach der Rundfahrt ist Zeit zum Essen. Wir entscheiden uns für Griechisch und sitzen draußen. Heute findet in Wittenberg ein "Nachtlauf" statt. Wir beobachten also nebenher die Teilnehmer des Laufes und die Ordner. 
Gegen 8 sind wir satt, es ist aber noch zu früh und zu schönes Wetter, um sich ins Hotelzimmer zu setzen. Also laufen wir nochmal bis zur Hundertwasserschule und zurück, um dann mit Blick auf die Stadtkirche noch ein Eis zu essen. 
Auch heute gibts wieder Sekt, in der Flasche ist noch was drin. Dazu lese ich ein bischen. Der Klappentext klang ganz interessant, aber das Buch ist sehr oberflächlich. Die Autorin wollte nah an den verbürgten Fakten bleiben, aber irgendwie doch eher einen Roman schreiben. Hat nicht geklappt. Trotzdem liest es sich leicht und man bekommt einen Einblick ins Leben als Frau in der damaligen Zeit. 


Sonntag:
Wir beginnen wieder mit ausgiebigem Frühstück im Hotel. 
Dann laufen wir zum Melanchtonhaus. 
Es ist in den 1530ern erbaut und wurde über die Jahrhunderte nur wenig verändert. 
Hinterm Haus gab es einen Garten, in dem ursprünglich sogar Ziegen gehalten wurden. Wie der Garten aussah, weiß man nicht. Heute sind Beete mit Kräutern angelegt, die auch damals schon verschiedenen Krankheiten zugeordnet wurden. 
Dieser Raum ist verbürgt und weitestgehend im Original erhalten. 
Der gleiche Raum in die andere Richtung. 
Professoren an der Universität hatten meist auch Studenten im eigenen Haus wohnen. Wieder gefunden hat man mehrere Wappen der Studenten. In dem Raum haben sie vermutlich debattiert und gelernt, in einer kleinen Kammer daneben könnten sie geschlafen haben. 
Dieses Bild zeigt quasi das gleiche Zimmer wie ich weiter oben fotografiert habe. Es hängt weiter hinten im Rundgang, ich hab also erst fotografiert und dann das Bild gesehen und verglichen. 
Gegen Mittag schauen wir uns noch die Schlosskirche an. 
Hier findet sich das Grab Martin Luthers... 
... und das von Melanchton. 
Wir steigen auch auf den Turm an der Schlosskirche. 
Von hier oben hat man nochmal einen guten Überblick über die Altstadt. Wir sehen unser Hotel, dahinter den Cranach-Hof, die Stadtkirche mit ihren 2 Türmen, die beiden kleinen Kanäle, die andeuten, wo früher Wasser durch den Ort floss, und weit hinten das Lutherhaus und Teile der Universität. Rings um die ursprüngliche Altstadt wurde damals eine Stadtmauer errichtet. Es gab 3 Stadttore. Erst im 19. Jahrhundert wurde "entfestigt", entlang der Stadtmauer und Wälle entstanden verschiedene Parks, die sich jetzt wie ein grüner Ring um "Luthers Wittenberg" legen. Das kann man von hier oben wirklich gut erkennen. 
Damit schließen wir unsere Zeit in Wittenberg ab. 
Ich hab sehr viel gelernt, vor allem, dass zwar Luther als treibende Kraft hinter der Reformation stand, es aber nur gelang, weil die Umstände günstig waren. Luther wollte nie eine neue Kirche oder eine Spaltung. Er wollte lediglich Missstände aufdecken, debattieren und verbessern. Er hatte Menschen um sich rum, die ihm den Rücken stärkten, ihn unterstützten und auf ihn aufpassten (z.B. Kurfürst Friedlich, Melanchton, Katharina). Der Buchdruck mit beweglichen Lettern war erfunden und somit erreichten Schriften höhere Auflagen als jemals zuvor. Und gelangten auch zu einem breiteren Publikum. Cranach der Ältere kam als Hofmaler zu Kurfürst Friedrich und hatte unter anderem auch eine Druckerei, wo viele Schriften Luthers gedruckt und dank Cranachs Verbindungen/Logistik in die Welt gingen...
Es war eine sehr spannende Zeitreise. 
Zurück zu Hause haben wir noch Zeit, ehe die Kinder eintreffen. Wir trinken Kaffee und ich lese nebenher im Magazin zum 360°-Panorama. 
Dann wechseln wir nach draußen. Es ist angenehm warm, aber windig. 
So nach und nach tauchen die Katzen wieder auf und leisten uns Gesellschaft. 
Die Pfadfinder kommen zurück, wenig später bringen die Großeltern die Jüngste. Wir grillen alle zusammen im Garten. 
Dann Abendprogramm mit duschen/baden/ Ranzen packen... 
Die Große hat noch 3 schriftliche Prüfungen, Mathe am Montag und Physik am Donnerstag. 
Die Jüngste geht diese Woche mit ihrer Kindergartengruppe in die Grundschule zum "Schnupperunterricht". 
Hach ja, die letzte Etappe vor den Sommerferien... 

Sonnige Grüße von TAC 


8 Kommentare:

  1. Hallo,
    ganz lieben Dank für deine informatives und unterhaltsames Wochenende. Wieder einiges gelernt, Wittenberg steht ja auch schon lange auf meiner Städteliste.
    Liebe Grüsse Dosy

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    1. Sehr gerne. Es ist ja auch Erinnerung für uns, deshalb so ausführlich.
      Fahr ruhig mal nach Wittenberg. Es lohnt sich und es hat sich gezeigt, dass ein Wochenende für Wittenberg (ohne umliegende Orte) vollkommen ausreicht.

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  2. Es ist so spannend, wenn man sich die Zeit nehmen kann und richtig abzutauchen! Wenn einem dann Zusammenhänge klar werden und man plötzlich ein etwas grösseres Ganzes sehen kann.
    Danke fürs mitnehmen!
    herzlichst
    yase

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    1. Oh ja, so viel Zeit kann man sich mit Kindern dabei nicht nehmen. Obwohl wir gesehen haben, dass es im Lutherhaus und im Melanchtonhaus durchaus interessante Kinderstationen gab.
      Wir hatten Luther in der Schule dran, aber da fehlten die Zusammenhänge irgendwie.

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  3. Wow, was für ein volles Wochenende. Klingt aber auch sehr schön und wenn man manchmal etwas größeres begreift, ist es doch auch sehr gut. Ich war auch schonmal in Wittenberg, im Lutherhaus ging es mir wie dir- da hätte ich mir viel mehr Information gewünscht.
    Liebe Grüße
    Anne

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    1. Ich find es total spannend, wie die Menschen gelebt haben. Wie groß waren die Räume, wieviele Menschen schliefen in einem Raum, wie sah ein Bett mit Strohsack aus, wie das Alltagsgeschirr... Ein paar dieser Fakten waren erwähnt, aber halt sehr oberflächlich. So geht es mir aber meistens in solchen Ausstellungen. Früher war das auch generell nicht so relevant bei Ausgrabungen. Inzwischen gibts neuere Archäologiezweige, die sich mehr mit dem Alltag der einfachen Menschen beschäftigen.

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  4. Ein tolles und Ereignissreiches Wochenende habt ihr da erlebt. Da hatte sicherlich jeder was zu erzählen am Sonntag. 😊

    Viele liebe Grüße deine nähbegeisterte Andrea 🍀🌷

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    1. Theoretisch ja,. Praktisch meinte die Große sinngemäß: Jetzt noch grillen? Ich will lieber direkt unter die Dusche und dann ins Bett und bis morgen abend durch schlafen... ;)

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