Ich hinke ja so dermaßen hinterher mit meinen Blogeinträgen... Bei diesem hier bin ich unsicher, ob ich den rückdatiere oder einfach an einem freien Tag frei schalte... Ich fand das Konzert so besonders, wär schade, wenn der Eintrag unter geht... Erstmal schreiben, dann kann ich das auch noch entscheiden.
Wir haben Rosenmontag. Mein Tag ist gefüllt mit jeder Menge Alltagskram und Kinderlogistik. Aber da ist ja noch das Konzert, dass ich nicht verpassen will. Als ich die Jüngste bei der Flötenlehrerin abgebe und das Konzert erwähne, fragt sie, wer an der Orgel sitzen wird. Ich merk mir Namen nicht gut, deshalb schau ich zu Hause nach und... ups... das ist ja in einer anderen Kirche, als in meinem Kopf verknüpft war... Na gerade noch rechtzeitig bemerkt, aber lockerer wird der Zeitplan dadurch auch nicht, denn nun muss ich Kirche und Parkmöglichkeit erstmal finden. Ein Hoch aufs Navi (um grob den Weg zu finden) und Bewohner des Ortes, die mir den Weg zum Parkplatz weisen können.
Ich nehms mit Humor, denn ich war schonmal fast da, dachte aber: "Nee, kann nich sein, hier gehts ja aus dem Ort wieder raus."
Ich schaffe es immerhin noch pünktlich. Die Kirche ist sehr voll, das hätte ich tatsächlich nicht erwartet.
Im Auftakt-Eintrag zum Jahresprojekt hatte ich geschrieben, dass ich erst lernen musste, mich auf Konzerte einzulassen. Das geht auf verschiedene Arten, die sich beliebig kombinieren lassen.
Bei diesem Konzert standen tatsächlich Bilder im Vordergrund, die durch die Musik in mir ausgelöst wurden. Es war zwar ein Orgelkonzert, aber keines der Stücke war in erster Linie für Orgel geschrieben, sondern immer für andere Instrumente. Wahrscheinlich hat der Organist dieses Konzert deshalb auch passend zur Faschingszeit benannt. Es ist "nicht ganz ernst gemeint", und trotzdem - oder gerade deshalb - etwas ganz besonderes.
Für dieses Konzert gibt es kein Programmheft, der Organist erklärt aber immer etwas zu den ursprünglichen Stücken. Er nennt auch alle Namen und Komponisten, aber da bin ich manchmal nicht schnell genug beim Mitschreiben.
Ich hab bei diesem Konzert mal versucht zu notieren, wie ich die Musik erlebe, daran lasse ich euch jetzt teilhaben.
1. und 2. Musikstück
Wir befinden uns am Ende des 19. Jahrhunderts in den Südstaaten der USA, der Musikstil ist Jazz-Ragtime.
Bereits bei den ersten Tönen des ersten Stückes, das ursprünglich für Klavier geschrieben wurde, bin ich gedanklich auf einem Jahrmarkt. Die Kinder lachen auf dem sich drehenden Karussell mit den auf und ab wippenden Pferden.
Das zweite Stück lässt mich direkt an Tom und Jerry denken und wie die beiden sich jagen.
3. Musikstück
Wir wechseln an den nördlichen Broadway. Der Organist spielt 8 kürzere Einzelstücke, die mich an verschiedene Situationen/ Geräusche erinnern. Er erklärt dazu, dass George Gershwin schon vorhandene Musikstücke bearbeitet und für Klavier umgeschrieben hat. Heute erklingen sie auf der Orgel. Interessant finde ich, dass die Musik in meinen Ohren zwar echt schief, aber doch auch vertraut klingt. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige davon in (alten) Filmen verwendet wurden.
Was ich mir zu den einzelnen Stücken notiert habe:
- die Orgel klingt wie Posaune
- die Orgel macht "Kuckuck", es klingt z. T. japanisch und erinnert mich an einen Stummfilm, in dem sich eine hell gekleidete, stark geschminkte Frau erst versteckt und dann mit übertriebener Mimik wieder auftaucht
- erinnert an eine Eisenbahn
- zwei Menschen streiten/ diskutieren, einer belehrt, der andere gibt Widerworte. Sie versöhnen sich und einigen sich auf den Konsens, aber so ganz will doch keiner von seinem Standpunkt weg
- es ist Herbst, Blätter wirbeln umher, eines fällt ganz langsam
4. Musikstück
Nun geht es nach Wien, denn Johann Strauß würde in diesem Jahr 200. Der Organist spielt "An der schönen blauen Donau".
Früher gab es große Orchesteraufführungen nur in großen Städten, Orgeln dagegen gab es in jeder Dorfkirche. So wurden bereits früher Orchesterwerke so bearbeitet, dass durch die verschiedenen Register der Orgel die verschiedenen Instrumente imitiert werden konnten. Beispielsweise sind es auf dieser Orgel 2 Register zusammen, die ein kleines Streichorchester imitieren.
Meine Gedanken/ Bilder:
- die "Streicher" klingen ganz zart und ruhig, obwohl es eigentlich durch die vielen kurzen Noten gar nicht ruhig ist
- es klingt, als wird Drehorgel gespielt
- typische Walzerklänge, ich sehe, wie sich Paare auf ser Tanzfläche drehen
- ein paar Töne zwischendurch erinnern an ein Schifferklavier
- ich höre "Posaunen" und generell verschiedene Blasinstrumente
- gegen Ende vibriert mein Brustkorb
Sir George Shearing (1919-2011) hat Gershwins Tradition fortgeführt und Stücke auf Klavier umgearbeitet, die heute auf der Orgel erklingen. Der Organist spielt 5 Einzelstücke, nur zu zweien hab ich mir etwas notiert:
- das 2. Stück klingt wie elektronische Musik
- das 4. Stück ist "Somewhere over the Rainbow" in sehr düsteren Klängen
6. Musikstück
Wir wechseln nach England zu Edward Elgar (1857-1934), der noch der romantischen Richtung treu ist. Er hat wohl Militärmärsche auf Orgel umgeformt (da sind meine Notizen nicht genau ;)
Wir hören "Pomp an Circumstances", das mir direkt bekannt vorkommt. Vor allen das Mittelstück ist sehr bekannt, es ist ganz zart und ruhig und läd zum Träumen ein. Dann wird das Grundthema wiederholt und klingt nun wie eine Hymne. Das wiederum erinnert mich an diverse royale Großereignisse, die im Fernsehen übertragen wurden.
(Wer mag, kann hier auch eine Suchmaschine befragen, das bringt Anlässe, wo das gespielt wurde und auch Hörbeispiele. Und ich bin sicher, ihr kennt dieses Stück)
Nach ziemlich genau einer Stunde ist das Konzert zu Ende. Ich hätte echt noch länger zuhören können, es war so abwechslungsreich und absolut außergewöhnlich.
Die Heimfahrt ist dann echt schön mit einem wunderbaren, wechselnden Farbenspiel am Himmel. Diese beiden Bilder sind vor der Abfahrt entstanden und zeigen nur den Augenblick.
Das war das einzige Konzert im März. Inzwischen ist Mai und es wird echt Zeit, den Eintrag in die Weiten des Internetzes zu entlassen.
Und nun bin ich gespannt, wer hat bis hierher gelesen? Lust bekommen, mal ein ähnliches Konzert zu erleben?
In Erinnerungen schwelgende Grüße von TAC





Ich nehme mir fast nie Zeit für Konzerte. Musik spielt in meinem Leben - ausser für Lobpreis- keine Rolle.
AntwortenLöschenHerzlichst
yase
Das ist auch vollkommen okay. Jeder hat so seine Hobbys ;)
LöschenDa bist du ja reich beschenkt von dem Konzert heimgekehrt und hast zum Nachtisch noch einen Augenschmaus serviert bekommen.
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Andrea
Oh ja, das war beides ganz besonders.
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