Mittwoch, 3. Dezember 2014

Fussel - 1. Dezember

"Hatschiiiiii" Blitzschnell ist Fussel hellwach. Ein Sonnenstrahl hatte ihn an der Nase gekitzelt. Er blinzelt nach draußen. Im Sommer sieht er da den Vorgarten mit den Blumen, die rauschenden Bäume, auf denen man so gut klettern kann und das grüne Gras. In den letzten Tagen war nichts mehr grün. Vor einigen Wochen waren die Blätter von den Bäumen gefallen, die Dosenöffner hatten die Blumen abgeschnitten und das Gras gemäht. Es hatte ganz schön trostlos ausgesehen in den letzten Tagen. Und es war kalt geworden.
Aber heute sieht alles schon wieder ganz anders aus. Alles ist weiß und glitzert. Das muss genauer erforscht werden.
Flink springt Fussel von seinem Fensterplatz herunter um sich - heute nur ganz kurz - der Morgengymnastik zu widmen. Schnell der Dosenöffnermama um die Beine geschlichen, sie liebevoll angesehen und kläglich "MIIIIAAAAAAAAAUUUUUU" geschrien und schon ist das Frühstück im Napf. Und mindestens ebenso schnell ist es wieder verschwunden. An normalen Tagen ist jetzt die Morgentoilette dran. Aber weil heute kein normaler Tag ist, wischt sich Fussel nur schnell zweimal mit der rechten Pfote über das Gesichtchen, leckt sie flüchtig ab, wiederholt das gleiche mit der linken Pfote und saust auch schon davon.
RUMS-Klack-klack. Das war die Katzentür, und schon steht Fussel im Freien. Er „steht“ wirklich, denn plötzlich ist es ihm unheimlich. Dieses weiße glitzernde Zeug ist ja nass! "Miiiiiiiii" quietscht er, springt mit allen Vieren gleichzeitig in die Luft und landet auf dem Abstreicher vor der Tür.
"Miahaha" hört er von der Seite. "Ach du bist es nur, Mia" sagt er, als er mitbekommt, dass seine Freundin Mia auf dem Schuppendach sitzt und ihn beobachtet. Mia ist schon zweieinhalb Jahre alt,  während Fussel erst acht Monate zählt. "Ja, ich bin es nur" meint sie und springt leicht wie eine Feder herunter, kommt zu ihm und leckt ihm kurz über die Stirn. "Du brauchst dich nicht erschrecken, das ist nur Schnee. Ist fast wie der Morgentau im Sommer, nur kälter!"
Vorsichtig testet Fussel mit der Pfote. Tatsächlich, das Zeug ist weich, kalt und nass. Vorsichtig setzt er eine Pfote nach der anderen in den Schnee. Nach zwei Metern beginnt er bereits zu hüpfen und nach fünf Metern kann ihn nix mehr bremsen. Mia saust ihm lachend hinterher. "Komm mit, wir spielen im Schnee hinterm Haus. Dort haben die Dosenöffner den Schnee zu einem Berg getürmt. Da können wir spielen, das macht riesigen Spaß." Und schon sausen beide davon.

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