Samstag, 13. Dezember 2014

Fussel - 13. Dezember



Fussel sitzt mal wieder mit Mia auf dem Schuppendach. Sie beobachten die vielen Menschen, die am Haus vorbei kommen. Fast alle gehen in die gleiche Richtung. Ihre eigenen Familien haben sich auch dicke Sachen angezogen und sind mitgegangen.
Fussel denkt laut: "Wo die nur alle hingehen?" "Gehen wir doch einfach nachschauen!" antwortet Mia und springt vom Dach.
Fussel läuft ihr hinterher. Sie gehen in die gleiche Richtung wie die Menschen, nur laufen sie durch die Vorgärten statt zwischen den vielen Beinen durch auf dem Fußweg entlang.
Das Gedränge um sie herum wird immer größer, der Lärm immer stärker und der Geruch immer süßer. Plötzlich stehen sie auf einem großen Platz vor einer riesigen Lichtertanne. "Ohhh" entfährt es Fussel, als er nach oben blickt. Mia schweigt.
Nach ein paar Sekunden schauen sich die beiden um. Überall sind Menschen. Es riecht nach Bratwurst, Plätzchen und Zimt. Es gibt viele kleine Häuschen mit offenen Fenstern und die Menschen drängen sich davor. Laute Musik kommt aus Lautsprechern, die überall verteilt sind. "Sti-hi-lle Naaacht, hei-li-ge Naacht. Aaa-lles schläääääft, ein-sam waacht,..." singt es gerade. Mia und Fussel sitzen unter der Tanne und beobachten das Geschehen. "Weihnachtsmarkt" flüstert Mia. Fussel versteht nicht, was sie meint. "Hä?" fragt er. "Das ist der Weihnachtsmarkt von dem meine Dosenöffner gesprochen haben. Sie gehen da jedes Jahr hin. Ich wusste nur nicht, was Weihnachtsmarkt bedeutet. Aber der freudigen Erregung nach in ihren Stimmen musste es etwas schönes sein..." Fussel schweigt.
Eine ganze Weile sitzen beide da und schauen zu. Niemand beachtet sie. Sie sehen, wie ein Zweibeiner mit rotem Mantel und langem Bart auftaucht, eine Glocke schwingt und "Ho ho ho" ruft. Alle Kinder laufen zu ihm hin und bekommen etwas aus dem großen Sack, den er mit hat. Timo und Emily sind auch dabei. Als der Mann mit dem Sack wieder verschwunden ist, verstummen die Lautsprecher und fünf andere Männer kommen, ebenfalls mit roten Mänteln, aber ohne Bart. Sie hantieren mit goldenen komischen Geräten und machen dadurch neuen Lärm, den die Zweibeiner als Blasmusik bezeichnen.
Etwa eine Stunde später meint Mia "Ich hab jetzt genug gesehen. Ich will wieder nach hause. Kommst du mit?" "Ja." antwortet Fussel, steht auf und streckt sich.
Sie gehen den gleichen Weg zurück, den sie gekommen sind und verabschieden sich vor Fussels Haus.


Als die Dosenöffner zwei Stunden später nach hause kommen, mit geröteten Wangen und lachend, liegt Fussel auf seinem Kissen im Wohnzimmer und schläft.

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