Samstag, 20. Dezember 2014

Fussel - 20. Dezember



Fussel sitzt wieder einmal auf seinem Platz in der Küche. Timo und Emily sind sehr beschäftigt mit irgendetwas.  Fussel schnuppert und rümpft die Nase, als ihm ein beißender Geruch hinein steigt.
"Gib mir jetzt endlich den Leim!" schimpft Emily. "Nein, ich brauch ihn noch!" antwortet Timo gereizt. "Ihr sollt doch nicht streiten!" mischt sich die Mutter ein. "Erst recht nicht in der Weihnachtszeit. Das wisst ihr doch! Während du die Papierkügelchen drauf legst, kann Emily den Leim verteilen, Timo. Wechselt euch ab!"
Jetzt steigt Fussel zusätzlich zum Leim noch ein weiterer Duft in die Nase, nach Braten, denn die Dosenöffnermama hat gerade den Backofen geöffnet und das Fleisch für morgen gedreht.
Plötzlich fragt Emily: "Warum gibt es zu Weihnachten eigentlich Geschenke?"
Die Mutter dreht sich um. "Du weißt doch, dass wir den Geburtstag von Jesus feiern. Und wenn ihr Geburtstag habt bekommt ihr doch auch Geschenke." "Ja, das schon." antwortet Emily und legt die Stirn in Falten. "Und warum bekommen alle Menschen Geschenke? Eigentlich müsste Baby Jesus die Geschenke bekommen."

Jetzt denkt die Mutter nach. "Hm, stimmt. Ich weiß etwas: Wenn ihr die Geschenke für Oma fertig gebastelt habt, schauen wir alle zusammen in das große Weihnachtsbuch. Da steht bestimmt drin, warum der Weihnachtsmann Geschenke bringt und die Menschen sich gegenseitig etwas schenken."
Damit sind die Kinder einverstanden. Emily beeilt sich besonders sehr, das Bild aus buntem Knüllpapier ganz schnell fertig zu machen.
Eine Stunde später sitzen alle drei im Wohnzimmer auf dem Sofa. Die Mutter hat das große Weihnachtsbuch auf dem Schoß. Fussel hat es sich auf der Sofalehne bequem gemacht. So kann er über die Schulter der Dosenöffnermama auch in das Buch sehen.
"Ihr könnt euch doch sicher noch daran erinnern, warum der Nikolaus Geschenke bringt?" fragt die Mutter. "Ja, natürlich" antwortet Timo etwas genervt. "Da gab es mal einen Bischof Nikolaus in einer Stadt. Bei einer Hungersnot sollten alle Kinder der Stadt gegen Getreide getauscht werden, weil alles Geld und aller Schmuck nicht ausreichte, um alles zu bezahlen. Und da gab der Bischof Nikolaus den Kirchenschatz her, um die Kinder zu retten. Und deshalb bringt der Nikolaus jedes Jahr den artigen Kindern Geschenke." "Das hast du dir sehr gut gemerkt." lobt ihn die Mutter.
"Kennt ihr Martin Luther?" fragt die Mutter jetzt. "Ja. Der war Mönch und hat die Bibel übersetzt." antwortet Timo. "Richtig. Und er hat auch ein paar Neuerungen in der Kirche eingeführt. Er hat vorgeschlagen, dass die Geschenke nicht mehr am Nikolaustag, sondern zu Weihnachten verteilt werden sollen, steht hier in dem Buch." Emily staunt. "Oh. Aber warum bekommen wir dann zu Nikolaus und zu Weihnachten Geschenke?" fragt sie. "Das steht leider nicht mit in diesem Buch. Ich denke, die Menschen haben nicht alle den Vorschlag übernommen. Wahrscheinlich haben viele Familien den Nikolaus bestellt, andere Familien den Weihnachtsmann oder das Christkind. Und im Laufe der Zeit haben sich die Bräuche gemischt. In der heutigen Zeit gibt es deshalb zweimal Geschenke. Aber das weiß ich eben nicht genau."
"Hm." antwortet Emily und hat wieder Falten auf der Stirn. "Hm." sagt jetzt auch Timo. Die Mutter lacht. "Schön dass ihr jetzt einer Meinung seid. Soll ich euch noch eine Geschichte vorlesen?" "Oh ja, bitte!" antworten beide Kinder wie aus einem Munde.

2 Kommentare:

Zunächst einmal lese, freue und bedanke ich mich herzlich über jeden Kommentar.
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