Freitag, 5. Dezember 2014

Fussel - 5. Dezember



Draußen ist es schon finster. Der Schnee vom Montag ist verschwunden und hat überall hässliche Pfützen hinterlassen. Fussel war morgens mal kurz draußen gewesen, aber es hatte ihm nicht gefallen. Er hatte Mia besucht und ihr von den Plätzchen erzählt. Aber sie hatte nur wieder gelächelt und wiederholt, dass die Weihnachtszeit schön wäre. Er hatte sie gefragt, ob das Plätzchen backen Weinachten wäre und sie hatte nein gesagt und war gegangen. Daraufhin hatte er ein Schläfchen gehalten und gewartet, dass die Dosenöffnerkinder aus der Schule kommen. Sie hatten erst zusammen Mäuschen jagen und verstecken gespielt, aber dann waren die Kinder auf einmal davon gelaufen. Fussel war ihnen hinterher gegangen.
Jetzt sitzt Fussel auf dem Schuhschrank und beobachtet die wackelnden Schnürsenkel. "Eins - zwei - drei - los!" zählt Fussel und hascht nach dem Schnürsenkel. "Nein, Fussel, lass das!" schimpft Timo. Fussel duckt sich. "Fussel, das darfst du nicht. Wir müssen die Schuhe doch sauber machen, diese Nacht kommt der Nikolaus." sagt jetzt Emily. Fussel setzt sich hin. "Was ist das denn nun schon wieder, der Nikolaus? Ob das Weihnachten ist?" überlegt Fussel. "Und warum putzen die beiden ihre Schuhe? Das machen sie doch sonst nicht selbst. Entweder die Mama steckt die Schuhe in dieses Ding, das sich dreht, oder der Dosenöffnerpapa macht sie sauber."
Viel Zeit zum Überlegen bleibt ihm nicht, denn die Dosenöffnermama ruft aus der Küche. Fussel saust wie der Wind in die Küche und springt auf seinen Platz auf der Eckbank.
Ungefähr fünf Minuten später sitzt die ganze Familie am Tisch. Fussel beobachtet genau, wer welche Wurst isst und ob jemand ein kleines Stückchen davon in die Hand nimmt...
Da fragt Emily plötzlich: "Warum müssen wir eigentlich Schuhe putzen wenn der Nikolaus kommt?" Timo grinst sie an. Er ist schon neun, zwei Jahre älter als seine Schwester. "Na weil wir sonst keine Geschenke bekommen, du Dummerchen!" Sagt er und bekommt dafür einen strafenden Blick von seinem Papa. "Und was haben Geschenke mit sauberen Schuhen zu tun?" fragt Emily. Papa sieht Timo an, aber dieser ist ganz leise und schaut auf seinen Teller. Das weiß er nämlich auch nicht. "Na gut, da werde ich euch das erzählen." sagt Papa. Fussel hat die Wurst ganz vergessen. Er hört gespannt zu, was Papa erzählt.
"Vor sehr vielen Jahren war eine furchtbare Hungersnot in der Stadt Myra, in der der Bischof Nikolaus lebte und viele Menschen mussten sterben. Die Menschen warteten verzweifelt auf mehrere Schiffe mit Weizen, die aus Ägypten kommen sollten. Aber die Schiffe waren von Piraten überfallen worden und diese forderten alles Wertvolle, was die Menschen in Myra besaßen. Aber alles Gold und aller Schmuck, den die Menschen hatten, reichte den Piraten nicht. Also forderten sie alle Kinder der Stadt, um sie als Sklaven zu verkaufen. Das tat dem Bischof der Stadt leid und er opferte den Kirchenschatz, um die Kinder freizukaufen. Seit dem gilt Sankt Nikolaus als Beschützer der Kinder. Und er kommt jedes Jahr am 6. Dezember, um die artigen Kinder zu beschenken."
Die Familie war fertig  mit essen. Aber Fussel sitzt immer noch in der Küche, um über das nachzudenken, was er gehört hatte.

2 Kommentare:

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