Donnerstag, 18. April 2019

Rundgang durchs alte Haus - Teil 4 (Wohnräume)

In diesem Teil des Rundganges steigen wir die Treppe wieder rauf und treten in den ersten Raum, zuletzt war das unsere Küche.
Man schaut von hier aus direkt auf zwei Türen. Geradeaus liegt das Wohnzimmer, nach rechts gehts in unser Mehrzweckzimmer.
An der Wand links neben dem Durchgang zum Wohnzimmer standen Vorrats- und Kühlschrank. Links am Bildrand ist das Fenster, davor war der Esstisch.
Als ich als 3jährige mit meinen Eltern hier einzog, stand in der Ecke mein Gitterbettchen. Als mein Bruder auf die Welt kam, zog ich um in das Zimmer rechts und dieses wurde zum Zimmer meines Bruders.
Nachdem meine Eltern ausgezogen waren, stand dieser Raum leer, war also einfach Durchgangszimmer.
Das Bett meines Bruders stand in der Ecke auf dem filgenden Bild. Es gab eine Zeit, da ging ich später schlafen als er, musste mich im Dunkeln durch diesen Raum schleichen. Es gab nur einen Weg, wo die Dielen nicht knarzten, das war dicht am Fenster lang und dann gerade rüber zu meiner Zimmertür, die man zum leisen öffnen ran ziehen musste. Einmal, als ich durch schlich, sagte mein Bruder: "Du darfst hier nicht lang gehen!" "Warum nicht?" "Du darfst hier nicht lang gehen!" Ich tat es trotzdem und am nächsten Tag wusste mein Bruder nichts davon. Er hatte wohl einfach im Schlaf gesprochen.
In dieser Ecke hatten wir zuletzt ein Waschbecken, die Spüle, Schränke und den Herd.
In diesem Raum hat jede Wand ein "Loch", also 3 Türen und ein Fenster. Dadurch kann man den Raum, der eigentlich gar nicht so klein ist, gar nicht so gut nutzen.

Gehen wir weiter ins Wohnzimmer. Es ist der größte Raum auf dieser Etage, ich vermute aber, dass es ursprünglich sogar mal zwei kleine Räume waren. In meiner Kindheit war es das Elternschlafzimmer. Es war dominiert vom großen Bett meiner Eltern und einem 5türigen Kleiderschrank, den wir momentan in unserem Schlafraum hier in der Übergangswohnung nutzen.
In meiner Jugendzeit war das hier mein Zimmer. In dieser Ecke stand ein uraltes Sofa mit Tisch davor. An der Wand rechts daneben hatte ich eine "moderne Jugendzimmer-Anbauwand" mit Kleiderschrank, Schreibtisch, Regal und Bettkasten. Und mein alter DDR-Kleiderschrank hatte auch noch Platz. Den haben wir übrigens erst mit Ausräumen des Hauses zum Sperrmüll gegeben.
Die Wand auf dem oberen Bild wurde immer mehr zum Problem. Es ist die Wetterseite des Hauses und die Wand hat lediglich Ziegelsteinstärke, also rund 10cm. Egal was wir versuchten (Tapete ab, lüften, Möbel mit Platzhalter, Heizungsrohr verlegen), sie wurde immer wieder feucht und schimmlig. Hier gab es auch mal 2 Fenster, die zugemauert wurden. Das haben wir entdeckt, nachdem wir die Tapeten entfernt hatten.
Noch ein Blick zum Fenster: Links in der Ecke stand mein Schreibtisch, vorm Fenster die Ofenbank und rechts in der Ecke abwechselnd Kratzbaum, Regal oder Tannenbaum, beim dritten Kind sogar der Wickeltisch.
Auf dem nächsten Foto sieht man ein Loch im Boden. Da kam der Schornstein hoch, wodurch es hier im Winter ein wenig wärmer war als in den anderen beiden Zimmern. In der Wand dahinter gab es ursprünglich eine Tür.
Früher waren ja oft "Rundgänge" durch mehrere Zimmer möglich.
In dieser Ecke stand unsere Anbauwand mit dem Fernseher.
Vorher war da immer ein Kleiderschrank, erst ein uraltes wuchtiges massives hässlich-gelbes Teil mit verklemmten Türen, als meine Eltern hier schliefen, dann mein DDR-Kinderzimmerschrank, den ich mit Postern beklebt hatte.

Ein Raum fehlt noch hier oben. Es ist das kleinste Zimmer auf dieser Etage und war zunächst mein Kinderzimmer mit besagtem Kleiderschrank, Bett und Nachttisch. Als ich älter wurde, bekam ich einen Puppenschrank (den hatte mein Opa für meine Mutter selbst gebaut, als diese noch ein Kind war) und ein Sofa. Im Sommer konnte ich mich so auch mal zurück ziehen, im Winter sank die Temperatur schonmal unter den Gefrierpunkt, spielen unmöglich.
Hinter dem Fenster ist ein Flachdach. In meiner Kindheit krabbelte ich mit meiner Mutter manchmal raus und wir konnten Süßkirschen pflücken. Mehrere große Äste ragten weit auf das Dach.
Nachts blieb das Fenster im Sommer häufig offen. Ich erinnere mich, dass ich mal im Morgengrauen wach wurde, weil was über mein Bett gelaufen war. Ich knipste die Nachttischlampe an und sah nix. Auch war es still. So schlich ich mich zu meinen Eltern und erzählte davon, was mich geweckt hatte. Mein Vater kam, setzte sich auf die Bettkante und lauschte. Nix. Er tat es ab mit "Du hast bestimmt geträumt. Schlaf weiter!" und ging. Ich machte das Licht aus und es kruschelte und kratzte wieder. So sagte ich laut zu mir "Da mach ich eben das Licht wieder an." Da hing was dunkles Kleines am Rollo-Bändchen. Ich schrie. Mein Vater kam wieder gerannt. Dann erinnere ich mich erst wieder, dass ich bei meiner Mutter im Bett war und mein Vater rein kam, eine tote Maus am Schwanz in der Hand.
Danach baute mir mein Opa ein Gaze-Fenster zum Einklemmen, das haben wir bis zum Auszug genutzt.
In meiner Jugend schlief mein Opa in diesem Zimmer. Einmal, als er sich ausgesperrt hatte, kletterte er mit Leiter aufs Flachdach, kratzte den Kitt aus dem Fenster, nahm die Scheibe heraus und kam so wieder ins Haus. Als gelernter Tischler war es hinterher kein Problem, das Fenster wieder zu reparieren.
Da stand mal mein Bett
Nachdem wir hier oben eingezogen waren, war das hier erst unser Schlafzimmer. Ein großes Bett, das wir immer noch nutzen, ein neuer Kleiderschrank und ein Nachtschränkchen war alles an Möbeln.
Als Großtöchterchen zu uns kam, zogen wir mit dem Bett nach unten. Der Kleiderschrank blieb, ein Wickeltisch kam dazu. Später der Schreibtisch des Herrn TAC, Teile meines Jugendzimmers für Stauraum, Tiefkühler, Basteltisch, Regale für noch mehr Stauraum, ein Kinderschreibtisch, dann der zweite. Irgendwann war der Kleiderschrank raus geflogen, um anderen Möbeln Platz zu machen. Das hier ist zwar der kleinste Raum auf dieser Etage, aber seine Geschichte ist am bewegtesten und seine Platzkapazitäten waren echt enorm.

Nun fehlt nur noch ein Teil des Rundganges, da schauen wir uns die unteren Räume an.

3 Kommentare:

  1. hi hi, so alte Häuser erzählen schon tolle Geschichten :-)

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  2. Das sind ja tolle Geschichten.
    Ich bin schon sehr gespannt wie es weiter geht.
    Schöne Osterfeiertage wünscht dir
    Heike

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  3. Ich bin selbst gespannt, an was ich mich so erinnere 😉

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