Donnerstag, 4. April 2019

Rundgang durchs alte Haus - Teil 1 (Außen)

Im Jahr 2016 haben wir das Nachbarhaus abgerissen. Bevor es soweit war, habe ich im Haus noch einmal Fotos gemacht und hier im Blog einen virtuellen Rundgang veröffentlicht. Das möchte ich auch diesmal wieder tun.

Zur Geschichte des Hauses können wir nicht so viel sagen.
Wir vermuten, dass es um 1850 herum errichtet und einfach mit Hilfe von zwei "Säulen" ans Nachbarhaus angebaut wurde. Es hat zum Nachbarhaus hin keine eigene Wand, was man gut an einem zugemauerten Fenster auf dem Dachboden erkennen kann. Das zeige ich im nächsten Teil des Rundganges.
Als meine Mutter ein Kind war, haben in dem Haus zwei Familien gewohnt, später nur noch eine, Familie G. Als diese sich ein neues Haus gebaut hatten, fragten sie meine Eltern, die zu diesem Zeitpunkt mehrere Jahre zusammen waren, ob sie das Haus kaufen wollen. Natürlich sagten diese Ja, in zweierlei Hinsicht, denn zu DDR-Zeiten musste man verheiratet sein, um ein Haus kaufen zu können. 1977 heirateten meine Eltern und mein Vater baute etwa 4 Jahre lang das Haus aus nach dem "neuesten Stand der Sanierungsmöglichkeiten", die aber in der DDR recht begrenzt waren.
Als ich etwa 3 war, also 1981, zogen wir ein.
Kurz nach der Wende zogen meine Eltern in den Nachbarort ins Haus meiner Großeltern väterlicherseits und mein Opa mütterlicherseits zog aus dem Nachbarhaus in dieses. Ich bekam ein neues Zimmer und wohnte in der Woche hier, denn die Busanbindung zum Gymnasium war von hier aus besser.
2000 zog mein Opa endgültig ins Erdgeschoss und wir bauten eine Miniwohnung oben aus, also Küche, Wohnzimmer und Mini-Schlafraum.
2005 starb mein Opa.
2006 heirateten wir und bauten die unteren Räume aus zu Schlaf- und Kinderzimmern.

Soweit zur allgemeinen Geschichte.
Nun schauen wir uns zunächst das Haus von außen an. Das ist recht schnell erledigt, denn wer schon lange hier mitliest, hat das Haus schon oft von außen gesehen.
Da wäre als erstes die Rückansicht.

Im unteren Teil gibt es einen Anbau, der vor 1960 dran gekommen sein muss, denn meine Mutter kann sich nicht an das Haus ohne Anbau erinnern. Sie ist im Nachbarhaus geboren und aufgewachsen.
Oberhalb des Anbaus sieht man das ursprügliche Haupthaus. Die Gasbetonsteine wurden von meinem Vater eingebaut und ersetzen die vorherige marode Wand. Zu DDR-Zeiten musste man Baumaterialien in der Regel erstmal "beschaffen" oder "sammeln". Der Sand reichte vorerst nicht, um alles abzuputzen, so blieben die hinteren Wände frei. Spannend finde ich, dass die Ziegel noch Handarbeit waren. Hier und da finden sich Fingerabdrücke darauf.
Das dreigeteilte Fenster oben ist das älteste, das noch im Haus ist und bis auf ausgetauschte Glasscheiben noch das selbe wie in meiner Kindheit. Dahinter war mein Kinderzimmer, dann das Schlafzimmer meines Opas, dann unser Schlafzimmer und zuletzt unser vollgestopftes Mehrzweckzimmer.
Unten rechts ist das Schlafzimmerfenster, in meiner Kindheit Wohnzimmer, zwischendurch Schlafzimmer meines Opas.
In meiner Kindheit gab es über dieser Tür einen Holzverschlag, den man nur mit Leiter erreichen konnte. Erst als dieser irgendwann abgerissen wurde (daran kann ich mich nicht erinnern, nur daran, dass er mal da war), kam das zugemauerte Fenster zum Vorschein. Dahinter ist das Treppenhaus.
Das ist die Giebelseite. Ich kenne die nur so. Den unteren Teil hat mein Vater mühevoll und Stück für Stück trocken gelegt. Davon gibt es sogar Bilder, leider haben wir alle Fotos eingelagert. Das Foto entstand übrigens am Dienstag, als mein Mann und sein Vater zusammen das Loch zum Trennen des Gasanschlusses gegraben haben. und unsere Jüngste musste natürlich ebenfalls ins Bild spazieren.
Oben im Giebel sind Dachbodenfenster, links unten das Schlafzimmer.


Und da wäre noch die Front.
Dieses Aussehen erhielt das Haus Ende der 70er/ Anfang der 80er Jahre. Mein Vater baute große Fenster ein und nahm dafür den Großteil des Fachwerkes heraus. Zu DDR-Zeiten war das nicht geschützt. Die Fenster waren doppelt verglast, und damit sehr modern. Man musste sie aufschrauben, um innen zu putzen. Eine Heidenarbeit, die meine Mutter nicht so oft ausführte. Kann ich verstehen, denn bis zu den neuen Fenstern 2006 habe ich die Fenster geputzt und meist auch nur 1mal im Jahr aufgeschraubt.
Hinter dem oberen Fenster links war zuletzt unser Wohnzimmer, zwischendurch mein Jugendzimmer und in meiner Kindheit das Schlafzimmer meiner Eltern.
Hinter dem Fenster oben Mitte war zuletzt unsere Küche, vorher einfach nur Durchgangszimmer und in meiner Kindheit erst mein Zimmer, später dann das meines Bruders.
Über und hinter der Tür ist das Treppenhaus.
Unten links war in meiner Kindheit Wohnzimmer, später Wohnzimmer meines Opas, dann Hobbyraum meines Mannes und zuletzt Sohnemanns Kinderzimmer.
Fehlt noch das Fenster unten Mitte: Küche in meiner Kindheit, Küche meines Opas, dann Hobbyraum und zuletzt Töchterchens Kinderzimmer.
Unsere wunderschöne Haustür hat leider keinen neuen Besitzer gefunden, der sie würdig einbaut. So wird mein Vater sie in den Schuppen einbauen.
Zu dieser Tür kamen wir durch ein Missverständnis. Mitte der 90er Jahre war die ursprüngliche Tür nicht mehr zeitgemäß und sehr klapprig, ein Klacks für jeden Einbrecher. Also sollte eine neue her. Mein Opa gab mir den Türenkatalog und meinte, ich solle mal schauen, was mir gefallen könnte. Mir gefiel die Art der Tür im Sinne von oben großes Fenster, unten zu. Diese Tür wäre viel zu teuer, das war mir klar.
Einige Tage später sagte mein Opa, dass wir nun doch die Tür nehmen würden, die ich ausgesucht hätte. Tja. Hatte ich nur indirekt. Aber der Auftrag war bereits erteilt. Als sie eingebaut war, war ich entsetzt. So eine Tür in diesem alten Haus? Das passte nicht. Inzwischen finde ich sie wirklich schön, und einzigartig. Leider ist sie mit nur 1,85m Höhe zu klein für das neue Haus. Ja, man hätte die Scheibe in eine neue Tür einsetzen lassen können, aber das wäre vermutlich außerhalb unseres Geldbeutels.
Unten neben der Tür sieht man den Klinkersockel. Das hat ebenfalls mein Vater so gebaut, nachdem er auch die Frontwand Stück für Stück trocken gelegt und eine Sperrschicht eingefügt hatte. Anfang der 80er Jahre wurde die Straße aufgeteert. Eine Verbesserung bezüglich der schlaglochübersäten Dreckstraße vorher, aber die Sperrschicht rutschte dadurch unter Straßenniveau. Soweit ich gehört habe, haben sich damals darüber viele Anwohner beklagt, aber geändert wurde nichts. Im Zuge der Straßensanierung vor einigen Jahren haben Anwohner gefragt, ob man die Straße wieder auf ursprüngliches Niveau absenken könne, aber da sich die meisten arrangiert und ihre Grundstückszufahrten und -zugänge im Laufe der Jahre angepasst hatten, wurde der Wunsch abgelehnt.
Die Hausnummer über der Tür im Häuschen war zu DDR-Zeiten häufig genutzt. Mir gefiel das so sehr, dass seit meiner Kindheit die 8 meine Lieblingszahl ist.
Und nun dürft ihr mit mir ins Haus treten.

Weiter gehts im nächsten Teil.

2 Kommentare:

  1. Hallo,
    toll, ich liebe solche Hausgeschichten und bin schon auf die nächste gespanne. Die acht war auch meine Haunummer in der Kindheit und gefällt mir gut.
    LG zu Dir
    Manu

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  2. Mal sehen, wie ich dazu komme. Eigentlich wollte ich heute den nächsten Teil online stellen, aber der Tag war voll. Jetzt mag ich nicht mehr an den Rechner.

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