Letzten Endes war die Schwiegermutter diejenige die meinte, sie würde für den Unterhalt des blinden Winzlings aufkommen.
So durfte unsere kleine Ebony in Ruhe bei ihrer Mama Cassy wachsen.
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| Cassy - Mama von Felix und Ebony |
Wir wiederholten diese Besuche noch ein paarmal mit ähnlichem Ergebnis. Als Ebony schließlich ganz einzog, schafften wir es nur mit Hilfe der immer näher zusammen rückenden Futternäpfe, die beiden aneinander zu gewöhnen.
Sie hatten eine Zweckgemeinschaft und arrangierten sich miteinander.
Ab und zu lagen sie sogar mal dicht nebeneinander, was wir natürlich immer direkt fotografierten. Deshalb gibts erstaunlich viele Fotos von zwei friedlichen schwarz-weißen Fellknäueln.
Wir versuchten Ebony an die Leine zu gewöhnen, das fand sie furchtbar. So musste sie eben drinnen bleiben. Wir brauchten ihr nicht beibringen, wie eine Katzenklappe funktionierte. Das schaute sie sich von Felix ab. Die Klappe nach draußen war eigentlich zu, nur rein war offen. Clevererweise stellte sie sich neben die Klappe, wartete bis der Kater rein kam und nutze die nach innen offene Klappe, um zu entwischen, mit dem Ergebnis, dass sie zu ihrer Kastrations-OP schwanger war. Vier schwarz-weiße Babys wären es geworden, wie die Tierärztin uns damals sagte.
So wie Felix nahmen wir auch Ebony mit, wenn wir unterwegs waren, aber sie mochte das gar nicht. So gaben wir es auf. Mein Opa wohnte ja mit im Haus und versorgte die Tiere, wenn wir nicht da waren. Und er tat es sehr gerne. Später, als auch Ebony raus durfte nach ihrer OP, öffnete er morgens die Katzenklappe nach draußen und weil diese dann erstmal von Felix blockiert wurde, ließ er Ebony immer durchs Klofenster raus.
Im Alter von etwa 2 Jahren war Ebony plötzlich verschwunden. Wir suchten sie überall, auch Felix war unruhig, so dass ich ihn nachts ins Schlafzimmer ließ. Obwohl sich die beiden nicht so gerne mochten, schienen sie sich doch so aneinander gewöhnt zu haben, dass sie sich suchten und vermissten.
Wir fragten alle Nachbarn und irgendwann meinte einer ganz überrascht: "Wir haben seit zwei Tagen eine schwarz-weiße Katze auf dem Küchenschrank sitzen." Eigentlich kannten alle unsere beiden, zu diesem Zeitpunkt gab es kaum weitere schwarz-weiße Katzen in der Gegend. Es war tatsächlich unsere Ebony. Wir kamen in die Küche, ich sprach sie an, sie kam mit Maunzer direkt zu mir und schmiegte sich in meine Arme, wie sie das nie zuvor und niemals später wieder getan hatte. Aber nur bis wir draußen waren, dann sprang sie von meinem Arm und rannte heim.
Zu den Umständen, wie sie dahin gekommen war und was ihr da passiert ist, schwieg sich der Nachbar aus. Ein paar Jahre später hat er sich das Leben genommen, wir konnten ihn nicht mehr fragen.
Fakt ist aber, dass Ebony danach anders war. Sie hatte Angst vor Fremden, sobald wir Besuch hatten, war sie verschwunden und tauchte erst wieder auf, wenn der Besuch weg war. Gewittergrollen von Ferne trieb sie direkt unters Sofa, manchmal viel früher, als wir ein nahendes Gewitter überhaupt bemerkten. Wenn sie da wieder raus kam, konnte man sicher sein, dass es abgezogen war.
Das Leben normalisierte sich. Ebony fing gerne mal eine Maus und legte sie uns hin. Manchmal brachte sie auch lebende, und beobachtete uns milde lächelnd dabei, wie wir uns abmühten, die Maus wieder einzufangen. Sie spielte gerne und viel, war neugierig und gerne in unserer Nähe, selbst wenn man sie nicht direkt sah.
Ihr Revier war eher klein: Unser Grundstück, das dahinter mit der Scheune und die Wiese am Fluss. Ausnahmen gab es aber, wenn wir zu Fuß weg gingen. Dann folgte sie uns maunzend, als wolle sie uns zurück rufen. Irgendwann kehrte sie dann um und wartete zu Hause auf unsere Rückkehr.
| Frühstück mit bettelnden Katzen (ca. 2004) |
Sie war eigentlich nie ernstlich krank. Einzig eine Zahn-OP war vor einigen Jahren nötig, zeitgleich mit Felix.
Den Tod von Felix im März 2017 nahm sie einfach so hin. Sie beschnupperte kurz die Box, in der der tote Felix lag, dann hatte sich die Sache für sie erledigt. Felix war immer der dominantere Part gewesen, durfte zuerst fressen und ihm wurde Platz gemacht. Nach seinem Tod übernahm Ebony teilweise seine "Macken". Beispielsweise war sie es nun, die im Garten auf der Hollywoodschaukel neben mir lag und abends beim Fernsehen Streicheleinheiten einforderte.
Vor etwa einem Jahr bemerkten wir unter ihrem Fell eine kleine "Beule". Zunächst unauffällig, wuchs diese irgendwann recht schnell und das Fell an der Stelle verschwand. Nach ihrem Umzug zu uns in die Übergangswohnung ging die Beule auf. Die Tierärztin entfernte es ihr, es war ein Geschwür. Metastasen wurden zu diesem Zeitpunkt keine gefunden, aber eine Schilddrüsenüberfunktion, gegen die sie Tabletten bekam. Tatsächlich erholte sie sich in Rekordzeit.
Kurz vor Weihnachten begann ein Auge zu tränen und sie nieste. Erkältungszeit. Da es aber gleichbleibend war, gings wieder zur TÄ. Erkältung war auch ihre Diagnose und es gab Antibiotikaspritzen, die aber nicht anschlugen. So entschieden wir, erstmal abzuwarten.
Vor einigen Wochen dann stellten wir fest, dass in ihrem Mäulchen was nicht stimmte. Die TÄ meinte, da wäre ein Fangzahn abgebrochen und überwachsen. Sie operierte und sah dabei, dass es wohl ein neues Geschwür war, das diesmal auf den Tränenkanal drückte. Sie entfernte es so gut wie möglich. Ebony bekam Schmerzmittel und wir warteten wieder ab. Vom Wesen her war sie wie immer, nur dass sie speichelte. Und es wurde schlimmer, vor allem in den letzten paar Tagen. So wussten wir, was kommen würde, bereiteten ihr noch ein schönes Wochenende, streichelten sie noch oft und viel. Am Wochenende war sie lange mit uns im Garten und auch gestern vormittag war sie noch einmal sehr lange draußen.
Gestern nachmittag fuhr der Lieblingsehemann mit ihr zur TÄ, wo sie gegen 16 Uhr sanft in seinen Armen sterben durfte.
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| Ihr letztes Wochenende |
Auch du wirst immer einen Platz in unseren Herzen haben, Ebony.





Mein Beileid
AntwortenLöschenLiebe Tac,
AntwortenLöschendas tut mir leid.
Viele liebe Grüße, Anke
Danke, für eure Anteilnahme.
AntwortenLöschenAch Du Liebe,
AntwortenLöschenes ist noch nicht lange her, da haben wir das Gleiche erlebt und es tut immer noch weh, deshalb drück' ich Dich aus der Ferne ganz fest.
Liebe Grüße
Manu
Danke für deine lieben Worte und die virtuelle Umarmung.
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